altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Alexander III. von der Schulenburg

Erb- und Gerichtsherr auf Altenhausen, Beetzendorf

Sterbedatum:
17.03.1681
Ort:
Altenhausen
Standort:
Ev. Pfarrkirche St. Trinitatis
GPS:
11.253520 - 52.262590

Beschreibung:
Epitaph Alexanders III. von der Schulenburg (*1616 +1681), Magdeburgischen Landrats auf Altenhausen, Beetzendorf und Hohenwarsleben.
Hochformatige Tafel, oben und unten durch leicht eingezogene Flachbögen geschlossen. Zusammengesetzter umlaufender Rand aus gleichem Material in einfachem Stabprofil, stückweise durch eiserne Nieten mit der Tafel verbunden, deren oberes Viertel durch drei aufgenietete Vollwappen in Treibarbeit dominiert wird. Mittig: Schulenburg, links: Alvensleben, rechts: Bismarck, dabei die beiden flankierenden Wappen kleiner als das mittlere.
Gravierte, derzeit nur mit Mühe lesbare Inschrift in barocker Fraktur, Schlusszeile in Kapitalis, obere Zeile dabei besonders kunstvoll ausgeführt:
„Der Weylandt Wohlgeborner Herr Herr Alexander von der Schulenburg, Hochfürstl. Sächsischer und nachher Churfürstl. Brandenburg. Land=Rath im Herzogthumb Magdeburg, Matthias seel. Sohn auf Betzendorff, Hohenwarsleben und Altenhaußen Erbherr, ist alhier den 23. September 1616 geboren, verehliget in 1658 mit Fr. Adelheit Agnese von Alvensleben aus dem Hause Hundisburg, mit welcher er 3 Söhne und 5 Töchter erziehlet, Nach dieser in Anno 1668 erfolgtem Ableben hat er die andere Ehe mit Fr. Anna Sophia von Bißmarck aus dem Hause Schönhaußen in Anno 1671 vollzogen und auch mit derselben 3 Söhne und 2 Töchter erzeuget. Sein Leben hat er geendet den 17. Marty 1681 des alters 64 Jahr 25 Wochen. Deßen Gedächtniß bei der Nachwelt im Seegen. Zu Ehren ist ihm von den hinterbliebenen Söhnen dieses auffzurichten verordnet Anno 1694.

VIVIT POST FVNERA VIRTUS“.

Zur Person: Alexander III. von der Schulenburg, Magdeburgischer Landrat auf Beetzendorf, Altenhausen und Hohenwarsleben, Sohn des magdeburgischen Landrats Matthias V. von der Schulenburg und der Margareta Schenk a.d.H. Flechtingen, studierte zunächst ab 1629 in Helmstedt, seine Studien wurden aber durch die Unruhen des Krieges unterbrochen. Seine Autobiografie schildert eindrücklich das ruhelose Leben jener Jahre, als er ebenso wie seine nächsten Angehörigen gezwungen war, auf der Flucht vor Plünderung und Pest unstet umherzuziehen. Er selbst blieb wie durch ein Wunder von der Pest verschont, die ihm in den 1630er Jahren innerhalb kürzester Zeit seine Großmutter Sabina von Bredow, seine Mutter Margareta Schenk und vier Geschwister nahm. Sein militärisches Engagement bei der kaiserlichen Armee 1638 bis 1641 blieb Episode. Nach dem Tode des Vaters setzte der mühsame Wiederaufbau der völlig zerrütteten und überschuldeten Güter ein, Alexander III. hat diese Arbeit trotz mancher Rückschläge mit bewundernswerter Energie bewältigt. Im Jahre 1665 wurde er zum Magdeburgischen Landrat berufen.
Seine tiefe Religiosität, aber auch sein sicheres Sprachgefühl spiegelt sich u.a. in der langen Widmungsinschrift wider, die er über das von ihm neu erbaute äußere Tor ("Alexandertor") des Schlosses Altenhausen setzen ließ:
„Was Raub und Kriegsgewalt an diesem Ort verheeret,
Dabei sich Hunger, Pest auch mit gemenget ein,
Das hat der große Gott hinwieder doch bescheeret.
Wer wollte dem dafür nicht selber dankbar sein.
Der lasse dieses Haus hinfüro Glück genießen
Und wende Fried und Ruh mit Seinem Segen bei,
Damit die Nachwelt noch mit Ruhm und Danke wissen,
Daß seine Gütund Gnadauf diesem Hause sei.
Dies Alexander von der Schulenburg ließ setzen,
Dem seiner Väter Haus Gott vorbehalten hat.
Der Neid mag seinen Zahn an diesem Steine wetzen,
Die Tugend sei willkommen früh und spat“

Die steinerne Inschrift ist längst bis zur Unleserlichkeit verwittert, ihre Wiedergabe erfolgt hier nach Georg Schmidt (s.u.), S. 413-414.

Material:
Messing, ehem. vergoldet, getrieben und graviert, Gravuren mit schwarzer Farbe gefüllt, Oberfläche heute dunkel oxidiert.

Standort:
Westwand des ehem. Herrschaftsstandes der Kirche zu Altenhausen.

Literaturquellen:
Zur Person: Johann Friedrich Danneil, Das Geschlecht von der Schulenburg, Bd. 2, Salzwedel 1847, S. S. 550-553, Fritz Schwerin, Alexander von der Schulenburgs, weiland fürstl. sächs. u. nachher kurfürstl. brandenburgischer Land-Rath im Herzogthum Magdeburg, Erbherr auf Altenhausen, Hohenwarsleben und Betzendorf (…) Lebenslauf, von ihm selbst geschrieben. Nebst Beilagen und einem Anhange (…), Halle 1858, passim, Georg Schmidt, Das Geschlecht von der Schulenburg, Teil II, Beetzendorf 1899, S. 413-415, Dietrich Werner Graf von der Schulenburg und Hans Wätjen, Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg 1237 bis 1983, Wolfsburg 1984, Taf. 11 und 18 sowie S. 153-154.
Zum Objekt: Bei Marie-Luise Harksen (Bearb.), Die Kunstdenkmale des Kreises Haldensleben, Leipzig 1961, nicht erwähnt, in Dehio, Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt I, bearb. von Ute Bednarz und Folkhard Cremer, München-Berlin 2002, S. 9 unzutreffend als "eisern" bezeichnet.

Foto:
Bernd-Wilhelm Linnemeier, August 2017