altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Daniel III. von der Schulenburg

Kaiserlicher Rittmeister auf Altenhausen, Beetzend

Sterbedatum:
18.03.1660
Ort:
Altenhausen
Standort:
Ev. Pfarrkirche St. Trinitatis
GPS:
11.253520 - 52.262590

Beschreibung:
Epitaph Daniels III. von der Schulenburg (*1612 +1660), Kaiserlichen Rittmeisters auf Altenhausen, Beetzendorf und Hohenwarsleben., infolge des halbrunden Chorschlusses in leicht schräger Ausrichtung. Die Leimfugen der großen Tafel teilweise zu vertikalen Rissen aufgesprungen, links offenbar behutsame Ergänzungen abgefallener Teile. In plastisch gestaltetem Rahmen aus vergoldetem Lorbeer ovales Brustbild des Verstorbenen. Dieser mit halblangem Haar und - dem Zeitgeschmack folgend - angedeutetem Oberlippenbart wiedergegeben. Der Dargestellte trägt den einfachen geschwärzten Trabharnisch des 17. Jahrhunderts, die Enden der weißen Halsbinde werden durch ein schwarzes Band zusammengefasst, was ihre fächerförmige Erscheinung erklärt, auch hier ein Zugeständnis an modische Gepflogenheiten der Zeit.
Das Porträt ist mittig an einen - nicht plastisch gestalteten, sondern im Sinne eines Scheinreliefs gemalten - Sarkophag angelehnt, dessen Unterteil durch gemalte Festons betont wird, die ihrerseits vergoldeten plastischen Zierrat vorzutäuschen suchen.
Auf dem Deckel des Sarkophags zwei lagernde Heroen, hinter denen ein Arrangement aus militärischen Trophäen und Emblemen in Form von Waffen, Harnischteilen, Schilden und Fahnen aufragt. Hierbei sind insbesondere die linke Fahne mit dem Doppeladler des Hauses Habsburg und das dominante Rot der Draperien als Hinweise auf die militärischen Aktivitäten Daniels III. im Dienste des Kaiserhauses erwähnenswert: Im 16. und 17. Jahrhundert trugen die Offiziere der kaiserlichen Truppen jedenfalls rote Feldbinden als Erkennungszeichen. Das verblasste Grün der rechten Fahne kann als Hinweis auf Daniels zuvor geleistete Dienste auf schwedischer Seite unter Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar verstanden werden, auch hier eine Reminiszenz an die Farbe der dort während des Dreißigjährigen Krieges geführten militärischen Erkennungszeichen.
Über dem Ganzen gleichsam schwebend ein teilweise in rotes Textil gehüllter Putto. Der gesamte obere Aufbau ist nicht plastisch gestaltet, sondern gemalt, er ahmt jedoch in seiner spezifischen Gestaltung - inklusive des komplex gesägten Randes - eine gewisse Plastizität nach, was dem flüchtig arbeitenden Maler allerdings nur ansatzweise gelungen ist. Als unterer Abschluss der gemalten Aufbauten ein seitlich ausladendes Gesims, dem mittig eine schlicht gerahmte querrechteckige Inschrifttafel gleichsam als Sockelzone der Gesamtkomposition angefügt ist.
In feiner barocker Fraktur ist dort folgendes zu lesen:
"Der Weylandt Hoch Edelgeborner und Gestrenger Herr Daniel von der Schulenburgk, Mat / thias, Fürstl. Magdeburg. Landtrahts Seel. mit Margaretha Schencken Seel. erzeugeter Sohn auf Altenhau / ßen, Beetzendorff und Hohenwaschleben, Römischer Keyserlicher Mayst: Keysers Ferdinandi III. unter des Herrn General Feldt Mar / schalle Leutenandts, Herrn Hanß Rudolffen, Freyherrn von Bredow Regiment, bey dero Hauptarmee über Eine Compagni Cu / rassirer, Rittmeister. Ist geboren zu Altenhaußen den 10. Augusti, am Tage Laurentii Anno 1612. Unverheyrathet und Selig / gestorben den 18. Marty Mittags zwischen 11 und 12 Uhr, war der Sonntag Reminiscere Anno 1660. Seines Alters 47 Jahr / 31 Wochen 3 Tage, begraben und in sein Begräbniß alhier beygesetzet worden den 5. Juli 1660. Dessen Entseelten / Cörper der Allmächtige Gott in der Erden eine sanffte Ruhe und an Jenem herrlichen Tage mit der Seelen hinwieder vereini / gen und eine fröhliche aufferstehung zum Ewigen Leben verleihen wolle. Auß sonderbahrer Brüderlicher Affection, Treu / hertziger Liebe und Unvergeßener, wohlvertraulicher auch nach dem Tode beständiger Freundschafft,Hatt Seinem Freundt / lichen Hertzvielgeliebtesten Herrn Bruder Seel. zu Ehren und immerwärenden Gedächtniß dieses Epitaphium machen / und in diese Altenhausische Kirche setzen lassen Sein Bruder Alexander von der Schulenburgk, Fürstl. Magdeburg. Landt / raht den 28. Octobris Anno 1670.

Post Fata Felix.
Si fortis sapiens posset propellere Mortem
Mortuus abesses non, dilectissime Frater,
Mors est victa tamen per Christi vulnera, tuque
Cum Christo vinces, victor, mortem superabis.
Suo Charissimi Fratri
p. m. apposuit
A.V.D.S.S.A.M.C.D."

Zugehörig ist eine schlichte Grabmarkierung in Sandstein im Chorraum rechter Hand des Alters mit der (später erneuerten) Inschrift: „Rittmeister Daniel v.d. Schulenburg + 1660“. Zur Person: Daniel III. von der Schulenburg (602), ältester Sohn des magdeburgischen Landrats Matthias V. von der Schulenburg auf Altenhausen usw. und der Margareta Schenk a.d.H. Flechtingen, studierte zunächst mit seinem jüngeren Bruder Alexander III. in Helmstedt, bevor er 1634 unter Bernhard von Sachsen-Weimar zunächst schwedische, ab 1638 dann unter Hans Rudolf von Bredow kaiserliche Kriegsdienste nahm, wobei er bis zum Rittmeister aufstieg. Nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst 1641 bewirtschaftete er die väterlichen Güter unter kriegsbedingt schwierigen Begleitumständen zunächst zusammen mit seinen Brüdern: Erst 1659 schritt man zur Teilung. Ein infolge eines Reitunfalls im November 1657 gebrochener Fuß wurde zur Ursache eines längeren Leidens, von dem er sich nicht wieder erholte. Er starb nach langem Krankenlager schließlich im März 1660, tief betrauert von seinem jüngeren Bruder Alexander III. und von seinen Neffen Gebhard Johann II. sowie Matthias III. von Alvensleben, die dem Großvater Matthias V. von der Schulenburg und dem Onkel Daniel III. von der Schulenburg zwei anrührende Trauergedichte widmeten, welche 1660 in Helmstedt gedruckt wurden.

Material:
Malerei auf Holz.

Standort:
Nördliche Chorwand der Kirche zu Altenhausen, oberhalb der Grabplatten für Margarete von der Lühe und Matthias IV. von der Schulenburg

Literaturquellen:
Zur Person: Johann Friedrich Danneil, Das Geschlecht von der Schulenburg, Bd. 2, Salzwedel 1847, S. S. 549, Fritz Schwerin, Alexander von der Schulenburgs, weiland fürstl. sächs. u. nachher kurfürstl. brandenburgischer Land-Rath im Herzogthum Magdeburg, Erbherr auf Altenhausen, Hohenwarsleben und Betzendorf (…) Lebenslauf, von ihm selbst geschrieben. Nebst Beilagen und einem Anhange (…), Halle 1858, passim, Georg Schmidt, Das Geschlecht von der Schulenburg, Teil II, Beetzendorf 1899, S. 412 sowie Dietrich Werner Graf von der Schulenburg und Hans Wätjen, Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg 1237 bis 1983, Wolfsburg 1984, Taf. 11 und S. 154. Zum Objekt: Bei Marie-Luise Harksen (Bearb.), Die Kunstdenkmale des Kreises Haldensleben, Leipzig 1961, nicht erwähnt, Dehio, Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt I, bearb. von Ute Bednarz und Folkhard Cremer, München-Berlin 2002, S. 8-9 (summarisch).

Foto:
Bernd-Wilhelm Linnemeier, August 2017